… und warum diese Vorurteile gar nicht so dumm sind
Immer wieder werde ich gefragt, was Yoga eigentlich ist (ich mache ja auch schon sehr lange Yoga).
Viele Menschen haben was „drüber gehört“, sich aber nicht näher damit befasst. Wenn ich frage, ob sie es ausprobiert haben, ist die Antwort oft nein, man müsse schließlich „beweglich sein“ um Yoga zu machen oder, dass es „zu ruhig“ sei oder man sich „nicht genug auspowern“ könne, dass es „nur für Frauen oder schlanke Menschen geeignet“ sei und so weiter.
Ich staune immer wieder, was ich zu hören bekomme.
Die Antworten bringen mich – im positivsten Sinne – zum Schmunzeln. Sie erwecken mein Bedürfnis, diese Vorurteile aufzugreifen und aufzuklären, was da dran ist.
7 Vorurteile über Yoga
1. Man muss beweglich sein, um Yoga zu machen
Ob du es glaubst oder nicht:
Das ist eines der Vorurteile die ich am häufigsten höre. Bei Bildern, die uns in den Medien gezeigt werden, scheint es so, als wäre dieses Vorurteil richtig. Da sieht man verbogene Yogis, die nie wieder aus ihren Verrenkungen herauszukommen scheinen und man fragt sich, was das soll.
Wieso gibt es Menschen, die sich so verbiegen? Fragst du dich nach dem Sinn dieser Verrenkungen?
Tatsächlich sind es diese Bilder, die wir überall zu sehen bekommen – sei es in der Gesundheitszeitung oder dem Boulevardblatt. Man liest von Verletzungen, die sich Leute beim Yoga zugezogen haben sollen und fragt sich, was Yoga bringen soll?
Dabei hat Yoga einen tieferen Sinn:
Es ist ein Weg, um mehr Zugang zu sich selbst zu bekommen. Es ist eine ganzheitliche Art und Weise, Körper, Geist und Seele in die Balance zu bringen. Durch gezieltes Bewegen bekommt man ein Gefühl für den Körper.
Wenn man bereit ist, sich auf die fein abgestimmten Übungen einzulassen, kann der Lohn dafür durchaus großartig sein.
Doch: Wichtig ist, dass man einen einfühlsamen Lehrer findet, der die vielen Möglichkeiten, die Yoga bietet, achtsam lehrt, ohne zu überfordern. Er sollte dennoch genug fordern, um Durchlässigkeit und Bewusstheit in den Körper zu bringen.
Das entspannte und zentrierte Gefühl nach einer Yogastunde ist unbeschreiblich!
Und das ist nur einer der Effekte: Dass man beweglicher WIRD.
Man muss es nicht von Anfang an sein …
2. Yoga gibt es nur mit Räucherstäbchen und Ooohm ….
Dies zuerst:
Es gibt viele verschiedene Yogastile. Es gilt, für sich den richtigen Stil zu finden.
Ja, und da gibt es auch die mit den Räucherstäbchen!
Es gibt Stile, die haben den Hauptfokus auf der generellen Lebensweise und Meditation (da wird schon mal ein Räucherstäbchen angezündet). Dann gibt es Stile in einer sehr sportlichen Art und Weise z.B. Yoga Flow, wo Übungen nacheinander in mehr oder weniger schnellem Tempo geübt werden. Diese Stile sind meist eher nüchtern. Wobei alle Stile eine Verbindung zur Spiritualität haben.
Yoga hat nichts mit Religion zu tun
Yoga ist eine Lebensweise, die das Leben durch Üben nach und nach hin zu mehr Achtsamkeit verändert. Mein persönliches Zuhause ist Yoga in der Tradition nach B.K.S. Iyengar, einer anatomisch sehr korrekt ausgeführten und für die meisten Menschen gut zu übenden Yoga-Richtung und Yin Yoga, eine ruhige und sehr entspannende Art und Weise, zu üben (die so richtig runterfährt).
Im Iyengar Yoga werden Beweglichkeit und Möglichkeiten des Einzelnen berücksichtigt indem Hilfsmittel verwendet werden wie z.B. Decken, Gurte, Klötze, Stühle etc.
Die Räucherstäbchen kann man hier getrost weglassen und sich auf sich und seinen Körper und die Achtsamkeit konzentrieren, die Yoga bringt, sowie auf das wohlige Körpergefühl nach dem Üben.
Noch ein Wort zum Om
Om ist die heilige Silbe, die jedes Lebewesen von sich geben kann. Diese Silbe wird im Yoga besonders geehrt und in mancher Yogastunde zusammen gesungen. Sie hat zusätzlich den Effekt, dass man beim Om-Singen sehr tief ausatmet. Das tiefe Ausatmen reinigt den Körper indem man den Überschuss an CO2 verstärkt ausstößt, der sich durch zu flaches atmen ansammelt.
3. Yoga ist nur was für Frauen
Wie oft bekomme ich das zu hören!
Ich denke, dieses Vorurteil kommt daher, dass Männer oft denken, sie müssten besonders beweglich sein, um Yoga zu machen.
„Frauen sind beweglicher“, denkt der Mann und winkt ab, Yoga auszuprobieren. Liebe Herren, ich kann euch beruhigen: Yoga hat nichts damit zu tun, dass ihr von Beginn an beweglich sein müsst!
Yoga ist ein ganzheitliches System, das man für sich und seinen Körper gezielt nutzen kann z.B. gegen Schmerzen und andere körperliche Beschwerden oder um zu innerer Ruhe zu finden und innere Entspannung für sich zu entdecken.
Übrigens: Viele große Yogis – nicht nur in Indien – sind und waren: Männer!
4. Yoga ist langweilig und zu sanft für mich
Es gibt Yogastile, die sind sehr ruhig und konzentrieren sich auf Meditation und sehr sanftes körperliches Üben. Viele Menschen spricht genau das an.
Dann gibt es Yogastile, die sind genau das Gegenteil; man geht oder springt von einer Haltung oder Yogastellung in die nächste auf eine eher sportliche Art. Auch das ist für viele Menschen genau das, was sie brauchen.
Dann gibt es Yogastile, wo man langsam und genau die Haltungen erlernen und das mit vielen Übungsvarianten und Unterstützung durch Hilfsmittel sowie Meditation und Atemübungen kombinieren kann. Das entspricht meiner Art zu üben, da mein Fokus auf dem wohltuenden Schwerpunkt von Yoga und das tiefe Hinspüren verbunden mit kraftvollem Üben gerichtet ist.
Ich habe mich darauf spezialisiert. Auch mal in die Ruhe zu kommen ist – besonders in der heutigen Zeit – wichtig. Das Schöne ist, dass jeder den Yoga Stil, den Yogalehrer finden kann, der zu ihm passt.
5. Stress:
Ich muss mich auspowern, um runterzufahren
Machst du viel Sport zum Ausgleich? Welcher Sport ist das?
Vielleicht läufst du oder machst gar Marathon oder schnelle Sportarten wie beispielsweise Spinning?
Wusstest du, dass ein Zuviel an „pushenden“ Sportarten die Fluchttransmitter im Körper aktivieren und den Adrenalin- und Cortisolspiegel noch weiter nach oben treiben? Somit wird aus Stress noch mehr Stress durch den Freizeitsport!
Da ist spazieren gehen und etwas Ruhigeres besser. Möchtest du mental stärker werden und mehr Gelassenheit im Alltag erreichen? Möchtest du kreativer und effizienter werden?
Dann ist Yoga ein guter Weg.
Das sind wichtige Ziele im Yoga: Körperlich und mental zentrierter und klarer zu werden. Das hilft, sich mit dem zu verbinden, was ist und die Dinge entspannter zu sehen.
Es entspannen sich Körper, Geist und Seele. Gerade das ist in der heutigen Zeit wichtig, findest du nicht?
6. Da kann man keinen Muskelkater bekommen
Falsch.
Es kommt auf den Yogastil an. Yoga ist, wenn man den körperlichen Aspekt sieht, auf Körperdehnung und die Ausrichtung des Körpers fokussiert.
Da gibt es Stile, die sind sanfter, es gibt aber auch die, die richtig fordern und wo sehr genau und detailliert geübt wird.
Da kann Yoga sehr wohl Muskelkater nach sich ziehen. Einen Satz höre immer wieder: „Nach der letzten Stunde habe ich ein paar Tage an dich gedacht. Ich hatte einen ganz schönen Muskelkater!“
Meine Erfahrung ist, je länger jemand übt desto weniger hat er Muskelkater. Viele Männer haben beispielsweise eine verkürzte Körperrückseite, was sich durch viel sitzen noch verstärkt.
Im Yoga merken sie die Dehnung dann umso intensiver und spüren das natürlich nach der Stunde.
7. Yoga ist nur was für Schlanke
Das ist nicht so.
Wenn man die vielen Publikationen mit Superschlanken anschaut, die in Artikeln, Anzeigen und Videos in wilden Yogapositionen gezeigt werden, könnte man meinen, Yoga sei nur für den sehr sportlichen, beweglichen und schlanken Typ.
Es gibt Yogastile, die den Schüler bzw. die Schülerin dort abholen, wo er/sie gerade steht, und zwar unabhängig von der Figur.
Klar muss jemand, der fülliger ist evtl. anders lernen, sich auf den Boden zu setzen und wieder aufzustehen, aber das ist in der Regel kein Thema sofern der Wille und das Interesse da ist, sich einzulassen auf das Üben.
Wer sich nicht auf den Boden setzen kann, kann auf einer Unterlage sitzen. Wer aufgrund der Körperfülle in einer Übung nicht soweit kommt wie der Nachbar auf der anderen Matte – egal!
Jeder übt wie er kann – und macht persönliche Erfahrungen
Du wirst dich am Ende der Yogastunde genauso gut fühlen, vorausgesetzt die Stunde war nicht überfordernd und hat Spaß gemacht.
Auch hier gilt: Die Suche nach dem richtigen Lehrer ist das A und O.
Ich hatte mir schon vor ein paar Jahren all diese Gedanken gemacht und muss schmunzeln …. Yoga gehört heute fast zum Lifestyle. Im Unterschied zu früher stellen sich viele vor lauter Lifestyle nicht so sehr die Frage, was die Philosophie hinter ernsthaftem Yogaüben ist.
Vor lauter Ziegen- und Katzenyoga …..
Vielleicht hast du mal Lust, Yoga auszuprobieren.
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